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Warnung: Rassistisch!



Ach, Ferien in den Alpen, gibt es etwas Schöneres? Wir saßen ums Lagerfeuer, ein bunt gemischter, klischeehafter Haufen mit einer Gitarre und viel Alkohol! Wir sechs Jungs kannten uns schon ewig und hatten schon einen Haufen erlebt. Jeder von uns kam aus einem anderen Teil der Welt, zumindest was Eltern und Großeltern anging. Und nun waren wir hier, in der Nähe eines kleinen Schweizer Dorfes und wollten in der Umgebung ordentlich einen draufmachen.

Da war Marius, ein ziemlich dicker Junge mit dunkler Hautfarbe, dessen Eltern aus Kamerun kamen, Corentin der Wurzeln in Frankreich hatte und Silvio, seines Zeichens Italiener. Weiterhin gab es Dennis, der trotz seines deutsch anmutenden Namens vietnamesische Eltern hatte, mich, den Einzigen aus einer deutschen Familie und Jonas, welcher aus der Schweiz kam und in einem nahegelegenen Ort wohnte.

Wir saßen also um ein Feuer herum, wobei Silvio in die Saiten einer Gitarre griff, gleichzeitig machten wir uns über eine beachtliche Menge an Wodka, Captain Morgan, Asbach, Baccardi und Ähnlichem her. In unserer Umgebung befanden sich unsere Zelte sowie ein dichter dunkler Wald über dem sommerliche Sterne prangten.

 „Sag mal Jonas…“ meldete sich Corentin, „können wir in den nächsten Tagen die wir hier sind mal ein bisschen in die Stadt gehen? Du weißt schon, ein bisschen clubben, ein bisschen aufreißen…“ Er grinste verschmitzt.

„Das war ja klar, dass du wieder sowas vorhast!“ rief Dennis lachend, „natürlich, ich bin Franzose! Amour, Amour sag ich da nur!“ war die Antwort. „Ein lausiger Dichter bist du trotzdem!“ warf Silvio ein, doch Corentin ließ sich nicht aus der Fassung bringen: „Nur weil es auf Amore keinen Reim gibt!“ Wir lachten und stießen mit unseren großzügig gefüllten Getränken an.

„Aber im Ernst…!“ sagte ich nach einer Weile, „wie wär’s? Die nächste Stadt ist doch gar nicht so weit entfernt, oder? Wir könnten doch mal ein bisschen einen draufmachen gehen!“ „Mit dir Kneipenterrorist?“ fragte Marius heiter, „na viel Spaß! Auf deinen Filmriss bin ich schon gespannt!“ „Schnauze!“ rief ich mit gespielter Empörung und als das Lachen verebbt war kam ich zum Thema zurück: „Wie weit sind denn die nächsten Möglichkeiten entfernt, ich meine wo sind wir überhaupt?“

„Im Wald!“ entgegnete Dennis mit altklug erhobenem Zeigefinger. „Nein!“ schrie ich mit übertriebener Überraschung, anschließend sprach ich wieder normal, „und wo genau?“ Als Antwort gestikulierte Dennis so, als wollte er uns etwas extrem Wichtiges mitteilen. Nachdem er viel zu tief eingeatmet hatte verkündete er: „Ich habe nicht die leiseste Ahnung!“ „Natürlich guckt wieder keine Sau auf die Karte!“ bemerkte Silvio halb belustigt, halb ärgerlich, „wieso haben wir das Ding überhaupt mitgenommen?“  Daraufhin meldete sich Jonas erstmals zu Wort:

„Wer braucht eine Karte, wenn er ein Tablet hat?“ Er zog einen modern aussehenden Tablet Computer aus seinem Rucksack und öffnete eine entsprechende App. „Hab ich euch schon erzählt, dass man in der Schweiz überall LTE-Netz hat?“ fragte er, „ach, erst zum vierundsiebzigsten Mal!“ erwiderte Corentin gelassen.

Jonas winkte ab und betrachte die Karte auf seinem Bildschirm. „Wir sind genau…“ Er wurde bleich. Als er aufsah konnten wir seine in Angst geweiteten Augen sehen. „Wir müssen weg!“ flüsterte er und stand auf. „Wir müssen sofort Weg! Lasst alles stehen und liegen! Wir holen es morgen! Beeilt euch!“ während er das sagte wurde er immer lauter. „Was soll…?“ „Was ist…?“ jeder setzte zu einer Frage an, doch Jonas winkte uns nur panisch hinter sich her. Zögernd folgten wir ihm. Nach und nach beschleunigte jeder seinen Schritt.

„Hey Jonas, was genau ist hier eigentlich los?“ keuchte ich während unseres Spurts. Er sah mich an während er lief. „In diesem… In diesem Teil des Waldes treibt ein furchtbarer Geist sein Unwesen!“ Fast gleichzeitig stoppten wir.

„Alter, ist das dein Ernst?“ fragte ich mit enttäuschtem Unterton. „Hast du wirklich keine bessere Möglichkeit gefunden um uns zu verarschen?“ Auch Dennis war leicht ungehalten. „Das ist kein Witz!“ rief Jonas und wurde bleich, „in diesem Wald spukt es, das weiß jeder aus der Umgebung, hier haust… aaaaaah!“ Mit zitterndem Finger zeigte er hinter uns. Missmutig drehten wir uns um. In einem Schockmoment stolperte jeder von uns zurück.

Vor uns stand eine vermummte Gestalt, ihr Gesicht war von einer Kapuze bedeckt und nur zwei rote Punkte waren zu erkennen, die Augen darstellten. Ihre Hände waren gekrümmt wie die Fänge eines Raubvogels.

„Was ist das?“ fragte ich mit bebender Stimme. „Ein Geist! Sag ich doch! Hört zu, ihr dürft auf keinen Fall…!“ setzte Jonas an, doch Marius unterbrach ihn: „Was? Dürfen wir ihm nicht in die Augen sehen?“ „Naja… nicht ganz…“ stieß Jonas in leicht entschuldigendem Tonfall hervor. Dann begann der Geist damit, Marius zu antworten:

„Auf so eine Idee kann auch nur einer wie du kommen, du fetter melonenfressender Teerfleck! Bist wahrscheinlich genauso dumm wie dein ganzer Stamm! Verzieh dich zurück auf deine Plantage! Das einzig weiße an dir ist doch sowieso dein Besitzer!“ Wir hielten distanzierend die Hände vor uns.

„WAS HAST DU DA GERADE GESAGT?“ schrie Marius und stürmte auf den Geist zu. „Ich werd‘ dir meine schwarze Faust in die Fresse rammen!“ Jonas unterbrach ihn, „Nicht! Du darfst nicht auf die rassistischen Provokationen eingehen!“ doch es war zu spät. Die Gestalt öffnete ihrem Mantel und hüllte Marius damit ein. Der schwarze Stoff wurde zunächst von seiner massigen Gestalt ausgefüllt, dann passte sie sich jedoch wieder an die dürre Gestalt des Geistes an. Marius wurde mit Haut und Haaren geschluckt.

„Scheiße!“ rief Dennis, „Marius? Wo… Wo zum Teufel ist er hin?“ „Siehst du doch, ich habe ihn verschluckt! Mach mal die Augen auf… Ach nein, geht ja gar nicht!“ „Wie war das?“ rief Dennis mit unterdrückter Wut. „Du hast schon verstanden, oder ist dein Gehör genauso verkümmert wie dein reiskorngroßes Geschlechtsorgan! Oh Velzeihung du mich velstehen?“

Wir versuchten vergeblich, Dennis festzuhalten, doch er war zu schnell. Mit erhobenen Fäusten rannte er auf den rassistischen Geist zu, welcher mit falschen Tönen „Everybody was Kung-Fu fighting!“ sang. Erneut öffnete er den Mantel und verschlang sein zweites Opfer.

„Was machen wir jetzt?“ fragte ich wie gelähmt. „Wir dürfen nicht auf seine Provokationen eingehen! Zur Not müssen wir warten bis Sonnenaufgang, dann verschwindet er… Zumindest nach der Legende…“

„Und was ist mit den anderen?“ Corentin sah bleich aus als er diese Frage stellte. Er schien am Boden festgenagelt zu sein. „Ich hab keine Ahnung, was mit den anderen ist…“ Jonas schluckte heftig. Der Geist schwebte nun langsam auf uns zu, er wandte sich an Silvio:

„Hey Spaghettifresser, ich bin jetzt nur noch fünf Meter von dir entfernt, willst du nicht schon mal anfangen zu jammern? ‚Mamma Mia! ‘ wenn ich mit dir fertig bin, werde ich deine Mama kreuz und quer durch den Raum vögeln!“ Der Angesprochene ballte die Fäuste.

„Ganz ruhig! So lange du deine Wut unter Kontrolle hast, kann nichts passieren! Glaub mir, diese Legende gibt es schon seit meiner Geburt!“ Jonas versuchte ihn zu beruhigen doch sein Ton verriet, dass er seine Worte selbst nicht glaubte. Die Gestalt fixierte nun ihn.

„Seit deiner Geburt? Du meinst seit die mit Schmelzkäse gefüllte Fruchtblase geplatzt ist? Ja, euch Schweizer kenne ich nur zu gut! Geldgeiler als die Juden und rassistischer als die Nazis!“ Der Geist kicherte. Das Opfer der Verhöhnung atmete tief durch. Er versuchte sein Möglichstes um sich zu beherrschen. „Ach übrigens!“ das dunkle Wesen fuhr fort, „belgische Schokolade ist viel besser als das Zeug aus der Schweiz!“

„SO DAS REICHT!“ brüllte Jonas und sprang auf das Gespenst zu… kurz darauf wurde auch er vom Mantel umhüllt und eingesaugt.

Mein Herz raste. Was sollten wir jetzt tun? Ich ging ein paar Schritte rückwärts. „Ganz ruhig…“ flüsterte ich mir selbst zu, „nichts Unüberlegtes tun…!“ das hätte ich mal lieber nicht gesagt.

„Ja ‚nichts Unüberlegtes tun! ‘ Das ist das Motto der Deutschen, was? Seit den Fünfzigern habt ihr echt keine Eier mehr ihr Feiglinge!“ Das Gespenst lachte. „Zu ängstlich für Innovationen, neue Schritte oder eine eigene Meinung! Das Einzige was ihr tut ist mit euren weißen Socken und Sandalen durch das Neuland zu streifen, das schon jede Sau kennt! Eure Kanzlerin passt wirklich perfekt zu euch!“

Ich spürte eine massive innere Wut in mir aufkeimen. Zitternd ballte ich die Fäuste. Mir war klar, dass ich auf keinen Fall auf seine Provokation anspringen durfte. Es waren nur noch Silvio und Corentin übrig und wir hatten keine Chance zu fliehen. Kämpfen kam auch nicht in Frage, da wir keine Aggressionen zeigen durften, die von seinen Provokationen kamen…

Da kam mir die rettende Idee. Ich rückte näher an meinen französischen Freund heran und flüsterte ihm ins Ohr: „Hey Corentin, weißt du, was er über deine Schwester gesagt hat…?“ Ich sprach so leise wie möglich weiter.

„WAS?“ schrie der Franzose in grenzenlosem Zorn, er marschierte auf den Geist zu, holte mit gespannter Nackenmuskulatur aus und

ZACK

ein Kopfstoß zwischen die Rippen. Der Geist fiel röchelnd auf den Boden, wobei er sich den Kopf und das Bein hielt. Anschließend ging er in Rauch auf, Rauch aus dem Dennis, Marius und Jonas hinausstolperten.

Es hatte geklappt! Corentin war unabhängig von der Gestalt wütend geworden und hatte seinen Kopf benutzt. „Boah, das war knapp!“ sagte Dennis benommen. Wir halfen den anderen auf und gingen zurück zu unserem Zeltplatz. „Jetzt haben wir zumindest was zu erzählen!“ rief Jonas, „auch wenn uns keiner glauben wird!“ lenkte Silvio ein.

„Versteht ihr nicht, was das bedeutet?“ unterbrach ich alle anderen und zog somit die Aufmerksamkeit auf mich. „Rassismus ist nur dann ein Problem, wenn man darauf eingeht! Wenn jeder auf der Welt drüber stehen würde, gäbe es keine Kriege und keinen Hass deswegen! Wir haben den Geist besiegt, weil wir Freunde sind und uns kennen, selbst wenn wir verschiedenen Nationen entstammen! Versteht ihr es nicht? Wir sind eine Welt! Eine Welt die den Rassismus besiegen kann! Wir alle, Brüder und Schwestern…“

„WAS HAST DU ÜBER MEINE SCHWESTER GESAGT?“ schrie Corentin und nach einem Kopfstoß zwischen die Rippen wurde alles verschwommen.

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