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Ich begann zu irren. Ich irrte durch die Finsternis verlassener Straßen, von denen ich keine Ahnung hatte, wo sie lagen, geschweige denn, wie ich da überhaupt hingekommen war. Ich hatte kein Zeitgefühl, keine Orientierung und war extrem paranoid, ich sah keine Menschenseele, doch ich achtete auf jedes Geräusch. Kein Rascheln und kein Knacken entging mir und nach jedem schreckte ich auf.

Nach einigem Umsehen merkte ich, dass ich wohl in einer Art Stadt war und ich wusste nur, dass ich sie so schnell wie möglich wieder verlassen wollte, also beschloss ich am Besten der Straße zu folgen und nach einiger Zeit kam ich an eine breite Hauptstraße. Das Geräusch meiner eigenen Schritte ließ mich immer unsicherer werden, und irgendwann hörte ich ein Knacken und Rascheln unmittelbar hinter mir.

Ich wirbelte herum und sah in der Dunkelheit von Büschen am Straßenrand eine weiße, menschenähnliche Gestalt mit Scheren als Händen und riesigen, weißen Augen. Der Rake. Und ich hatte ihn immer für eine Legende gehalten.

Mein Herz setzte einen Schlag aus, dann dachte ich so bei mir, dass es wohl eine der besten Ideen wäre, wegzurennen. Ich drehte ich also um und rannte, so schnell ich konnte, nur mit der Absicht die Reichweite dieser Rake-Bestie zu verlassen. Hektisch, sah ich mich nach einem Versteck um und sah ein großes, düsteres Gebäude direkt neben mir.

Es sah nicht gerade sicher aus, aber man muss ja bekanntlich nehmen was man bekommt, also betrat ich das Gebäude und rannte die erstbeste Treppe hinauf, dort versteckte ich mich in einer Ecke. Ich hoffte um ein bisschen Sicherheit, doch schon nach Minuten hörte ich wie etwas auf allen Vieren die Treppe hinaufkam. Er hatte mich gefunden.

Ich sprang auf und rannte weiter, durch die Gänge des Gebäudes und nahm blindlinks ein paar Abzweigungen, trotzdem hörte und fühlte ich ständig, wie der Rake mir folgte. Im Lauf dieser Hetzjagd betrat ich eine Glastür und ich merkte schnell, dass ich in einem Raum mit nur einem Ausgang war und dass es kein Entkommen mehr gab.

Ich sah mich um und entdeckte, dass ein Stuhl, der von einem einzelnen Lichtstrahl erhellt wurde, direkt in meiner Nähe stand. Als ich mich umdrehte sah ich den Rake in der Glastür und mir wurde klar, dass rennen sinnlos war.

Resigniert, setzte ich mich auf den beleuchteten Stuhl, dankbar, dass ich wenigstens ein bisschen Licht hatte, der Rake kam immer näher. Ich schlug die Hände an meine Stirn.

„Das ist nicht wahr, dass darf einfach nicht wahr sein!“ jammerte ich. „Stimmt!“ der Rake antwortete mir, seine Stimme war leicht näselnd. „Das darf wirklich nicht wahr sein, wie siehst du nur aus?“ Er kam näher, ich bemerkte, dass seine Hautfarbe einen leichten Rosa-Ton hatte. „Deine Haare! Und wie ziehst du dich überhaupt an?“ Er seufzte melancholisch. „Naja, irgendwo müssen wir anfangen, also starten wir bei deiner Frisur, mein Gott wie sieht das bloß aus?“ Ich war vollkommen starr, ich konnte kaum Atmen und ich hatte nicht die geringste Ahnung, was ich von dem halten sollte, das der Rake gerade von sich gab. „Zuerst mal, brauchen wir mehr Licht!“ näselte er, dann legte er einen Schalter direkt neben mir um.

Es war als würde meine ganze Welt erhellt werden, überall war Licht und als ich mich umsah, merkte ich, dass ich überhaupt nicht in einem düsteren unheilvollen Gebäude war, sondern in einem Friseursalon, in mitten einer menschengefüllten Mall. Um mich herum waren Friseure, Friseusen und Kunden, sie sahen den Rake wohl, aber sie schienen nicht sonderlich viel Notiz von ihm zu nehmen.

Jetzt stellte er sich hinter mich und nahm meine Haare. Ich war vor Angst wie gelähmt. „So“ begann er „ jetzt werden wir erstmal waschen und dann schneiden, Scherenhände sind dazu ungemein praktisch. Und weißt du was? Sobald meine Schicht zu Ende ist gehen wir in den C&A in der Mall und kleiden dich neu ein, dich kriegen wir schon chic angezogen!“

Allmählich glaubte ich wirklich, dass das das Einzige war, was er mit mir vor hatte, trotzdem beschloss ich zu fragen, und so stotterte ich: „W-w-warte mal, heißt das, D-d-du willst mich gar nicht a-a-aufschlitzen oder ausweiden?“ „Was? Nein!“ antwortete er entsetzt, dann seufzte er „das ist eher Sache meines Cousins, du würdest nicht glauben, wie oft wir verwechselt werden!“ „Deines Cousins?“ fragte ich fassungslos. Mir wurde klar, dass diese Kreatur gar nicht der Rake war. „W-w-wer zum Teufel bist du?“ fragte ich stotternd. „Ich?“ Die Kreatur winkte ab „ich bin der Gayke!“ Und nach einem geschickten Haarschnitt, vollzogen von seinen Scherenhänden, hatte ich die coolste Frisur meines Lebens.

Nach einiger Zeit ging er tatsächlich mit mir shoppen und mit seinen Stylingtipps sah ich zum Schluss doch verdammt gut aus. „Sag mal“ fragte ich, nachdem wir fertig waren „warum opferst du so viel Zeit für mich?“. „Na, hör mal!“ Sagte er und legte den Arm um mich „wir Tucken müssen doch zusammenhalten!“ „Was?“ fragte ich unsicher und löste mich aus seiner Umarmung „i-i-ich bin jetzt eigentlich nicht…von diesem Ufer!“ „Oh, Verzeihung“ der Gayke kratzte sich am Hinterkopf. Die Stimmung war soeben peinlich geworden. „Ich dachte du wärst schon so weit, die Zeichen sind da…“ sagte er verlegen, dachte er etwa ich sei auch schwul? „Naja“ setze er an „so lange bis du für dein Coming out bereit bist, ist dein Geheimnis bei mir sicher und falls du mal einen neuen Haarschnitt oder Stylingtipps brauchst, bin ich für dich da!“

„Danke“ sagte ich unsicher, dann verließ ich die Mall und ging nach Hause.

Das war also die Geschichte, wie ich den Gayke getroffen habe und irgendwie lässt mich nicht mehr los, was er gesagt hat. Wie kommt er nur darauf, dass ich schwul sein könnte? Ich bin nicht schwul...wirklich nicht…ganz ehrlich…ich stehe auf Frauen, nicht auf Männer, auch nicht auf die mit diesen stählernen Bauchmuskeln, mit diesen ausdrucksvollen Gesichtern und…oooh…nein! Nein, ich bin vollkommen hetero und absolut nicht schwul…ehrlich…!

Ich hoffe dieser Bericht konnte jeden von dieser Tatsache überzeugen.

Mit freundlichen Grüßen

Tom Cruise

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